Die graue Energie (der kumulierte Aufwand an Primärenergie, der erforderlich ist, um ein Produkt oder eine Leistung an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt bereitzustellen) ist ein wenig bis gar nicht beachteter Bestandteil des Energiebedarfs im Baubereich in Deutschland. Die graue Energie eines Gebäudes kann dem Betriebsenergieverbrauch von weit über 20 Jahren entsprechen. Erfolgt nur eine 10-prozentige Reduzierung des Bedarfs an grauer Energie würde dies die Abschaltung eines Kraftwerkblocks mit einer Leistung von 1.200 MW ermöglichen, was einer jährlichen CO2-Einsparung von bis zu 8,7 Mio. Tonnen entspricht.
Die gebräuchliche Einheit für die graue Energie ist Megajoule pro Kilogramm Material (MJ/kg), wobei 1 MJ = 0,28 kWh entspricht (und umgekehrt 1 kWh = 3,6 MJ).
Beispiele des Gehalts an grauer Energie:
1 kg Schokolade enthält 9 MJ (entspricht ca. 1.1 kg CO2-Emissionen)
1 Paar Schuhe enthält 29 MJ (entspricht ca. 3.6 kg CO2-Emissionen)
1 Auto enthält 126.000 MJ (entspricht ca. 15.000 kg CO2-Emissionen)
In praktisch allen Produkten ist graue Energie, und damit meistens auch CO2 versteckt - ob Bleistift, Erdbeere oder Ziegelstein, von der Nahrung und ihren Verpackungsmaterialien, über die Elektrogeräte im Haushalt, bis zum Haus selbst, in dem wir wohnen. Die Rohstoffgewinnung, die Herstellung, der Transport, die Lagerung und der Verkauf von Produkten sowie ihre Entsorgung benötigen jeweils Energie. Die Summe dieser Energien bezeichnet man als „Graue Energie“. Grau, weil sie im Produkt „versteckt“ und nicht direkt sichtbar ist.
Der Transport eines Produkts hat bisweilen einen hohen Anteil an der grauen Energie. Spargel aus Kalifornien beinhaltet, im Flugzeug importiert, 10-mal mehr CO2-Emissionen als europäischer Spargel. Erdbeeren aus Israel verfügen über rund 25 Mal mehr graue Energie als einheimische Erdbeeren. Diese Energie wurde verbraucht und hat die Umwelt belastet, ohne dass man das dem Produkt ansieht - was ein bewusstes Konsumverhalten erschwert.
Die Auswahl der Baustoffe ist entscheidend für den Gesamtanteil der grauen Energie eines Gebäudes.
Bereits in der Planung sollte ein Baustoff mit möglichst geringer grauer Energie gewählt werden.