In Zeiten schwindender Energie-Ressourcen und steigender Preise für Energierohstoffe ist energieeffizientes Bauen eine dringende Notwendigkeit. Bauvorhaben sind ganzheitlich zu betrachten. Der Fokus der Aufmerksamkeit liegt derzeit bei dem Energiebedarf für den Betrieb eines Gebäudes. Ein nicht unerheblicher Anteil am Gesamtenergieverbrauch eines Gebäudes während seiner Lebensspanne ist aber auch die Energie, die zu seiner Erbauung und zur Herstellung der Baumaterialen benötigt wurde – die sogenannte „Graue Energie“.
Die Graue Energie (der kumulierte Aufwand an Primärenergie, der erforderlich ist, um ein Produkt oder eine Leistung an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt bereitzustellen) findet im Baubereich bisher wenig Beachtung. Die Graue Energie eines Gebäudes kann dem Betriebsenergieverbrauch von weit über 20 Jahren entsprechen. Erfolgt nur eine 10-prozentige Reduzierung des Bedarfs an Grauer Energie würde dies die Abschaltung eines Kraftwerkblocks mit einer Leistung von 1.200 MW ermöglichen, was einer jährlichen CO2-Einsparung von bis zu 8,7 Mio. Tonnen entspricht.
Das Projekt "gutebaustoffe" soll relevante Akteure für die ganzheitliche Betrachtung von Bauvorhaben sensibilisieren und die Einsparpotenziale bei der Grauen Energie Bau aktivieren. Die Schwerpunkte liegen dabei in den Bereichen Aus- und Weiterbildung, Marktsensibilisierung, Verbreitung von guter Praxis und Vernetzung der Akteure. Um das genannte Einsparpotential nutzen zu können, besteht Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen:
a) dem Einsatz von Baustoffen mit vergleichsweise geringer Grauer Energie,
b) der Wiederverwendung von Baustoffen,
c) der Optimierung (Reduzierung) des Aufwandes an Grauer Energie für die Baustoffherstellung.
Mit dieser Internetplattform werden klima- und ressourcenrelevante Daten zu Baustoffen gebündelt und übersichtlich bereitgestellt. Über eine Ausbildungsinitiative wird das Thema "gute Baustoffe" in den Ausbildungsbereich der Baubranche hinein getragen. Aber auch die Praktiker am Bau (Handwerk, Baustoffproduzenten, Handel, Architekten und Bauingenieure) sollen für das Thema Graue Energie Bau sensibilisiert werden. Um das Thema nachhaltig in der Branche zu verankern, wird ein Innovations-Netzwerk entwickelt und aufgebaut, dem auch diese Internetpräsenz dienen wird.
Detaillierte Darstellung der Handlungsfelder:
Für die Ausbildung im Baubereich wird ein Lernmodul entwickelt, das zunächst in zwei Ausbildungseinrichtungen (Berufsschulen) erprobt wird. Kern dieses Lernmoduls wird sein, dass die Auszubildenden in kleinen Gruppen im Rahmen einer Projektarbeit für Fassaden von realen Gebäuden in einem größtenteils unsanierten Quartier Sanierungskonzepte entwickeln und modellhaft umsetzen. Ziel ist es dabei, ein Fassadenmodell zu gestalten, das einerseits den Anforderungen der EnEV entspricht, andererseits den Aufwand an Grauer Energie minimiert unter gleichzeitiger Berücksichtigung der übrigen Baustoffindikatoren. Aufgabe der Azubis wird es auch sein, Daten für die Baustoffindikatoren zu ermitteln. Die Projektarbeiten sind Grundlage einer Ausstellung im Quartier, die Teil einer Fachtagung ist. Die Teilnehmer einer Fachtagung werden die Projektarbeiten begutachten und prämieren. Auf diese Weise findet zugleich eine innovative Vernetzung von Ausbildung und beruflicher Weiterbildung statt.
Auf der Website werden erste Daten über Baustoffe und Baumaterialien zusammengefasst (im Wiki-Charakter). Dadurch wird eine sich selbst erweiternde Informationsquelle für Baustoffdaten geschaffen, die jederzeit von den Nutzern aktualisiert wird. Darüber hinaus ist hier ein Blog installiert, welcher als Diskussionsebene dient, in der sich alle Akteure über die Thematik Graue Energie Bau austauschen können.
Im Rahmen des Projektransfers wird das Format einer Fachtagung „Bauen mit Verstand“ entwickelt. Die Tagung findet in einer ausgesuchten Berufsschule statt und bildet dort den Abschluss der beschriebenen Projektarbeiten. Sie präsentiert den aktuellen Stand der Forschung, der Weiter- bzw. Neuentwicklungen und informieren über die steigende wirtschaftliche und energiepolitische Relevanz der Grauen Energie Bau. Darüber hinaus werden die Ergebnisse der Projektarbeiten im Rahmen eines Quartierrundgangs vorgestellt und die besten Arbeiten prämiert. Als weitere Transfermaßnahme wird ein Tagungsband erstellt, der die Tagungsbeiträge dokumentiert und als Jahrbuch herausgegeben wird. Sämtliche Transfermaßnahmen werden auf der Website eine entsprechende Darstellung finden.